Parodontitis
Therapie: Parodontitis ist heilbar!
Inhaltsangabe
Die Behandlung der Parodontitis richtet sich nach Art und Schweregrad der Erkrankung. Man unterscheidet:
Konservative (nicht-chirurgische) Therapie
Die Initialtherapie ist die erste Phase der Behandlung der Parodontitis. Sie zielt darauf ab, die äusseren Ursachen der Parodontalerkrankung zu beseitigen und dadurch die Voraussetzung für eine Heilung zu schaffen.
- Entfernung von Zahnstein und Plaque durch die Dentalhygienikerin
- Evtl. Tiefenreinigung der Zahnwurzeln und Taschen (Deep Scaling)
- Individuelle Mundhygiene-Instruktion des Patienten
- Austauschen überstehender, schlecht passender Kronen, Füllungen usw.
- Ausschaltung weiterer Risikofaktoren (z.B. Rauchen)
Ausschaben der Zahnfleischtaschen mit der Curette beim Deep Scaling (Curettage)
Zunächst erfolgt eine gründliche Hygienesitzung bei der Dentalhygienikerin. Genauso wichtig wie die gründliche Reinigung der Zahnoberflächen von Zahnstein und bakteriellen Belägen ist die Schulung des Patienten. Dieser wird individuell in der für ihn geeigneten Mundhygiene-Technik eingewiesen. Die Bedeutung dieser eigentlich banalen Zahnhygiene-Massnahmen ist enorm. Schlechte oder unzureichende Mundhygiene ist der Hauptrisikofaktor für das Entstehen der Parodontitis und jede Behandlung dieser Krankheit muss scheitern, wenn die tägliche Mundhygiene nicht gewissenhaft eingehalten wird.
Wenn tiefe Taschen festgestellt werden, besteht der nächste Behandlungsschritt meist im sogenannten Deep Scaling, d.h. ein gründliches Ausschaben der unter dem Zahnfleischniveau gelegenen Taschen und Wurzeloberflächen. Das Deep Scaling wird von der spezialisierten Dentalhygienikerin in örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) schmerzfrei durchgeführt. Dabei werden die infizierten und mit Zahnstein belegten Wurzeloberflächen unter dem Zahnfleisch sorgfältig geglättet (Root Planing). Dazu werden grazile Hand-Küretten und Ultraschall-Instrumente eingesetzt. Gleichzeitig wird mit der Kürette auch das Entzündungsgewebe aus den Taschen entfernt (Kürettage). Das Deep Scaling kann mit einer Antibiotika-Therapie und einer Laser-Behandlung kombiniert werden.
Antibiotika gegen Parodontitis
Dieser neue Ansatz zur Bekämpfung der Zahnbetterkrankungen hat in den letzten Jahren ständig an Bedeutung gewonnen. Man weiss heute, dass es einige genau bekannte und definierte Bakterienarten sind, die zur Parodotitis führen. Diese in den Zahnfleisch-Taschen angesiedelten Keime können wir mit einem speziell dafür entwickelten Bakterien-Test identifizieren.
Mit dem Laborbefund können wir gezielt ein Antibiotikum auswählen, das besonders wirksam gegen die im Test festgestellten Keime ist. Je nach Befund kann auch eine Kombination von zwei verschiedenen Antibiotika-Präparaten nötig sein, um die Wirkung zu optimieren. Die Antibiotika (meist handelt es sich um Amoxicillin, Metronidazol oder Doxicyclin) werden als Tabletten über einen Zeitraum von 1-2 Wochen eingenommen oder lokal als Gel (z.B. Elyzol-Gel) in die befallenen Taschen eingebracht. Allerdings ist die Antibiotika-Behandlung nur dann wirksam, wenn sie mit einer konservierenden oder chirurgischen Behandlung kombiniert wird. Für die Lokalbehandlung der Taschen werden auch Antiseptika wie Chlorhexidin verwendet, die desinfizierende Eigenschaften haben.
Bei der sogenannten Full-Mouth-Desinfection (Desinfektion des ganzen Mundes) versucht man, in möglichst kurzer Zeit (1-2 Tage) alle befallenen Zähne zu behandeln. Wenn nämlich zuviel Zeit zwischen den einzelnen Behandlungssitzungen vergeht, besteht die Gefahr, dass die Bakterien aus den noch unbehandelten Taschen die bereits behandelten Taschen wieder besiedeln.
Neueste Studien signalisieren eine hohe Erfolgsquote bei Parodontalerkrankungen, die gleichzeitig antibiotisch und mittels lokaler Massnahmen (z.B. Deep Scaling) therapiert werden. In vielen Fällen kommt es zu einer dauerhaften Elimination der aggressiven Parodontitiskeime und somit zu einer Ausheilung von Zahnfleisch und Parodont (Zahnhalteapparat).
LASER-Parodontalbehandlung
Laser-Parodontalbehandlung: Schmerzlos und effektiv
Der in unserer Praxis eingesetzte Chirurgie-Laser (ein gepulster Diodenlaser der neuesten Generation) leistet hervorragende Dienste auch bei der Behandlung der Parodontitis. Sein gebündelter, präziser Strahl ist so energiereich, dass in seinem Einwirkungsbereich sämtliche Mikroorganismen sofort abgetötet werden. Dabei ist die Behandlung für den Patienten schmerzlos und nicht belastend.
Die Laser-Therapie erweitert die Möglichkeiten der konservativen Behandlung der Parodontalerkrankungen. Dank des Lasers können wir auch bei fortgeschrittener Parodontitis häufig auf Operationen verzichten. Stattdessen führen wir eine schonende geschlossene Kürettage (Tiefenreinigung) der Zahnwurzeln und Taschen mit Laser-Dekontamination und evtl. begleitender Antibiotika-Gabe durch. In vielen Fällen kommt es dadurch zur Ausheilung der Entzündung. Auch bei der chirurgischen Behandlung der Parodontitis und Periimplantitis hat der Laser einen hohen Stellenwert.
Die photodynamische Therapie (PDT) beinhaltet die vorgängige Anfärbung der Parodontitis-Keime durch einen blauen Farbstoff, der das Laserlicht besonders gut absorbiert. Dadurch wird die antimikrobielle Wirkung des Lasers gesteigert.
Mehr Informationen über Laser-Zahnmedizin
Chirurgische Parodontaltherapie
Zahnfleischtaschenbildung (links) und Zustand nach chirurgischem Eingriff mit Knochenaufbau (rechts)
Im vorigen Abschnitt haben wir die Möglichkeiten der konservativen Parodontitis-Behandlung ohne Operation erläutert. Diese ist heute in vielen Fällen so erfolgreich, dass der Griff zum Skalpell nicht mehr erforderlich ist und das vom Patienten gefürchtete „Aufschneiden“ des Zahnfleisches entfällt. Aus diesem Grund wird die Parodontose heute in jedem Fall zunächst konservativ behandelt. Nach 1-3 Monaten erfolgt dann eine erneute Untersuchung, um den Erfolg der bisherigen Behandlung zu dokumentieren.
Nur wenn nach Anwendung aller konservativen Behandlungsmethoden immer noch tiefe Zahnfleischtaschen festgestellt werden, muss die operative Therapie erwogen werden.
Ziel der chirurgischen Eingriffe ist die Wurzelglättung und Curettage unter Sicht sowie die Beseitigung von Bakterienschlupfwinkeln (auch mit Laser-Unterstützung) und tiefen Zahnfleisch- und Knochentaschen. Mit modernen regenerativen Techniken wie GBR (Guided Bone Regeneration) bzw. GTR (Guided Tissue Regeneration) ist es erstmals möglich, nicht nur die Parodontitis zu stoppen, sondern in manchen Fällen auch verloren gegangenen Knochen wieder aufzubauen und somit dem Knochenschwund aktiv entgegenzuwirken.
Emdogain: Wachstumsfaktoren für die parodontale Regeneration
Nach lokaler Betäubung wird das Zahnfleisch mit einem Mikro-Skalpell vorsichtig eröffnet und der von der Parodontitis befallene Knochen freigelegt. Die Knochentaschen werden sorgfältig von Entzündungsgewebe gesäubert. Es erfolgt eine Glättung der Zahnwurzeln, wobei Zahnstein und bakterielle Beläge entfernt werden (Root Planing). Die Knochenkrater werden nun – falls erforderlich - mit Knochenersatzmaterial (z.B. Bio-Oss gefüllt und mit resorbierbaren Membranen aus Kollagen (z.B. Bio-Gide) abgedeckt und das Zahnfleisch mit dünnen Fäden schonend vernäht. Unter dem Schutz der Membran wird das Knochenersatzmaterial innerhalb mehrerer Monate in körpereigenen Knochen umgebaut.
Durch die Fortschritte der Biotechnologie stehen heute parodontale Wachstumsfaktoren als gebrauchsfertiges Medikament zur Verfügung. Ein steriles Gel, das unter dem Handelsnamen Emdogain® angeboten wird, enthält bioaktive Proteine, die eine beschleunigte Regeneration von verloren gegangenem parodontalen Gewebe (Knochen, Fasern, Zahnfleisch) bewirken. Nach der chirurgischen Revision der Zahnfleisch- und Knochentaschen wird Emdogain appliziert und das Zahnfleisch dicht vernäht. Bereits nach wenigen Wochen lässt sich oft schon eine Gewebeneubildung nachweisen.
Regenerative Verfahren wie GBR und GTR sowie der Einsatz von Emdogain sind heute wissenschaftlich anerkannte Methoden, die in unserer Praxis routinemässig angewandt werden.
Parodontal-Operationen werden normalerweise schmerzlos in örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) durchgeführt. Bei ängstlichen Patienten kann die Lachgas-Analgesie hilfreich sein.
Periimplantitis: Wenn die Parodontitis Implantate angreift
Schwere, fortgeschrittene Periimplantitis bei einer 39-jährigen Patientin im Röntgenbild. Die Entzündung hat bereits mehr als die Häfte der ursprünglich vorhandenen Knochenhöhe um das Implantat zerstört. Eine chirurgische Entfernung des Implantats ist in einem solchen Fall unausweichlich.
Die Periimplantitis ist eine chronische bakterielle Infektion, die den Knochen um ein Implantat angreift. Sie verläuft ganz ähnlich, wie die Parodontitis. Auch die Risikofaktoren sind die gleichen: Schlechte Mundhygiene, Rauchen, genetische Veranlagung spielen eine entscheidende Rolle. Da die Periimplantitis, genau wie die Parodontitis, meist völlig schmerzfrei verläuft und in relativ kurzer Zeit viel Knochen zerstören kann, ist eine Früherkennung besonders wichtig. Aus diesem Grund sollten alle Implantate in regelmässigen Abständen mit Röntgen-Aufnahmen kontrolliert werden.
Wenn ein Implantat von der Periimplantitis befallen ist, hilft nur ein kleiner chirurgischer Eingriff. Wie bei der chirurgischen Parodontalbehandlung wird das Zahnfleisch um das Implantat eröffnet und das Implantat freigelegt. Nach Entfernung des Entzündungsgewebes wird die Implantatoberfläche vorsichtig mit Spezialinstrumenten gereinigt. Ein spezielles Pulverstrahlgerät mit Glycin-Pulver kann hier gute Dienste leisten. Eine Entkeimung der Implantatoberfläche ist auch mit dem Laser möglich. Anschliessend kann in geeigneten Fällen eine Regeneration des verlorenen Knochens mit der GBR / GTR – Technik angestrebt werden.
Regenerative Behandlung einer Periimplantitis: Links der schüsselförmige Knochendefekt, rechts, 9 Monate später, die ausgeheilte Situation. Der das Implantat umgebende Knochen ist vollständig regeneriert.
Nachsorge (Recall)
Eine Heilung der Parodontitis ist, wie wir in diesem Kapitel erläutert haben, durchaus möglich. Allerdings bedarf die ausgeheilte Parodontitis einer engmaschigen Kontrolle, da die Erkrankung – je nach Immunabwehr und Verhalten des Patienten – zum Rückfall (Rezidiv) neigt.
Nach der aktiven Behandlungsphase wird daher der Parodontalpatient in der Nachsorge (geläufig ist auch der amerikanische Begriff "Recall") regelmässig zu Kontrollsitzungen bei der Dentalhygienikerin aufgeboten. Je nach Schwere des Krankheitsbildes, individueller Mundhygiene und parodontaler Resistenz kann der Abstand zwischen zwei Recall-Sitzungen 2-6 Monate betragen. Langzeitstudien belegen, dass die professionelle Betreuung und Überwachung des Parodontalpatienten nach der Behandlung den eigentlichen Schlüssel zur Aufrechterhaltung des Behandlungsresultates darstellt.
In unsrer Praxis versuchen wir, diese Erkenntnis umzusetzen, indem wir alle Parodontalpatienten einer besonders engmaschigen und detaillierten Kontrolle mit regelmässiger Erhebung der Mundhygiene-Indizes und Zahnfleisch-Taschenmessung unterstellen. Weitere Informationen zum Thema Prophylaxe und Mundhygiene.
Kapitelübersicht: Parodontitis
- Parodontitis Übersicht: Gesundes Zahnfleisch für gesunde Zähne
- Zahnfleisch-Probleme: Von der Gingivitis zur Parodontitis
- Diagnose: Wie kann man Parodontitis erkennen?
- Therapie: Parodontitis ist heilbar!
- Rot-weisse Ästhetik: Schönes Zahnfleisch für schöne Zähne
- Fragen und Antworten zu Parodontitis
Den gesamten bebilderten Text Parodontitis: Gesundes Zahnfleisch für gesunde Zähne herunterladen:
Gesundes Zahnfleisch für gesunde Zähne (pdf 2 MB, eventuell längere Ladezeit)
