Mundgeruch (Halitosis)
Die Ursachen von Mundgeruch
Inhaltsangabe
Themen auf dieser Seite:
"Schlechter Atem" durch Ernährung
Jeder kennt das: Eine ganze Reihe von Nahrungs- und Genussmitteln können durch die Beeinflussung der Atemluft zu vorübergehendem Mundgeruch führen, der von der Umgebung mitunter als unangenehm empfunden wird. "Schlechter Atem" wäre in diesem Fall allerdings die bessere Bezeichnung als "Mundgeruch", da die Ursache eindeutig in der Atemluft liegt. Bekanntestes Beispiel ist der Knoblauch, dessen Aromen teilweise mit dem Atem ausgeschieden werden und bis zu zwei Tage nach seiner Aufnahme noch Halitose verursachen können. Auch Zwiebeln, Alkohol, Käse, Tabak Rauchen, Kaffee etc. können zu ähnlichen Effekten führen. Diese ernährungsbedingte Art des Mundgeruchs ist immer harmlos und durch Vermeidung der ursächlichen Nahrungs- und Genussmittel leicht abzustellen.
Übrigens kann auch längeres Fasten durch veränderte Speichel-Konsistenz Mundgeruch begünstigen. Eine regelmässige Einnahme der Mahlzeiten, insbesondere des Frühstücks, wird daher empfohlen.
Was atmen wir aus?
Die ausgeatmete Luft des Menschen enthält etwa 78% Stickstoff, 17% Sauerstoff, 4% Kohlendioxid und nur etwa 1% sonstige Gase. Dieses eine Prozent kann jedoch stark geruchsaktive Gase enthalten, so dass trotz des geringen Volumenanteils der Geruch der ausgeatmeten Luft als unangenehm oder gar unerträglich empfunden wird.
Die wichtigsten chemischen Verbindungen in diesem Zusammenhang sind flüchtige Schwefelverbindungen (z.B. Methylmerkaptan, Dimethylsulfid oder Schwefelwasserstoff) aber auch noch geruchsintensivere Substanzen wie beispielsweise Indol, Skatol, Kadaverin oder Putreszin. Der tägliche Geruch der Ausatemluft unterliegt oft erheblichen tageszeitlichen Schwankungen, die auch von der Nahrungsaufnahme abhängig sind.
Echter Mundgeruch durch Bakterien
Die Entstehung von Mundgeruch (Halitosis oder Halitose) ist heute wissenschaftlich gut erforscht. In fast allen Fällen handelt es sich um im Mund oder Rachen angesiedelte anaerobe (ohne Sauerstoff lebende) Bakterien, die Proteine (Eiweiss-Stoffe) abbauen. Bei der Zersetzung dieser Proteine, die Nahrungsreste oder abgestorbene Zellen des eigenen Gewebes sein können, entstehen zuerst Aminosäuren, die dann wiederum abgebaut werden, wobei schwefelhaltige übelriechende Gase freigesetzt werden.
In über 90% wird Halitose verursacht durch:
- Bakterielle Zungenbeläge
- Gingivitis (Zahnfleischentzündung)
- Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparats)
- Xerostomie (zu geringer Speichelfluss)
Zungenbeläge
Gesunde Zunge (Zungenrücken), Unter dem Mikroskop: Zungenpapillen
Zungenbelag
Die Zunge hat mehrere wichtige Funktionen: Sie ist unentbehrlich beim Transport der Nahrung im Mund, beim Schluckakt, zum Sprechen und zum Schmecken.
Es gilt heute als erwiesen, dass der Zungenrücken die häufigste Quelle von Mundgeruch darstellt. Die gefurchte, zerklüftete Mikrostruktur (Relief) der Zunge mit ihren Papillen bietet hervorragende Lebensbedingungen für anaerobe, d.h. ohne Sauerstoff lebende Bakterien (Anaerobier), die hier eine riesige Oberfläche besiedeln können. Etwa zwei Drittel aller im Mund befindlichen Bakterien sind auf dem Zungenrücken angesiedelt. Der bakterielle Zungenbelag beherbergt dieselben Keime, die auch an der Entstehung der Gingivitis und Parodontitis beteiligt sind. Diese Mikroorganismen spalten Proteine und erzeugen durch Bildung schwefelhaltiger übelriechender Gase Mundgeruch.
Gingivitis
Massive Gingivitis und Zahnbelag
Die Entzündung des Zahnfleisches wird Gingivitis genannt, etwa 40% der Bevölkerung sind davon betroffen. Bis auf seltene allgemeinmedizinische Ursachen ist Gingivitis fast immer auf unzureichende Mundhygiene zurückzuführen. Hormonelle Umstellungen (z.B. in der Schwangerschaft) und bestimmte Medikamente können die Neigung zur Zahnfleisch-Entzündung verstärken. Die Ansammlung von "Plaque" genannten bakteriellen Zahnbelägen führt zu den typischen Zeichen der Zahnfleisch-Entzündung: Rötung, Schwellung und Blutungsneigung. Wenn die Zahnbeläge nicht entfernt werden, kann die Gingivitis in eine Parodontitis übergehen. Zahnfleisch-Probleme wie Gingivitis oder Parodontitis führen durch die massenhaft vorhandenen Bakterien oft zu Mundgeruch.
Parodontitis
Fortgeschrittene Parodontitis
Wenn die bakterielle Entzündung nicht nur das Zahnfleisch betrifft, sondern auch den Zahnhalteapparat (z.B. den zahntragenden Kieferknochen) angreift, spricht man von Parodontitis - populär oft Parodontose gennannt. Es kommt zur Bildung von Zahnfleisch- und Knochentaschen, aus denen sich oft Eiter entleert. Manchmal entstehen auch mit Eiter gefüllte Abszesse. Die massive Besiedlung der Taschen mit anaeroben (ohne Sauerstoff lebenden) Bakterien kann bei Parodontitis-Patienten zu starker Halitosis führen. Die weitverbreitete Parodontitis führt ohne Behandlung zu Zahnverlust und kann auch negative Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit haben. Ausführliche Informationen über Parodontalerkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten erhalten Sie auf unserer Seite Parodontitis und Zahnfleischprobleme
Xerostomie - zu geringer Speichelfluss
Die großen Speicheldrüsen (grün markiert)
Bakteriell bedingter Mundgeruch wird begünstigt, wenn der Speichelfluss vermindert ist. Speichel hat eine wichtige Spülfunktion und hilft z.B. Nahrungsreste aus der Mundhöhle zu entfernen. Zudem kann er die bei der bakteriellen Zersetzung von Proteinen entstehenden übelriechenden Gase binden und hat zudem eine gewisse antibakterielle Wirkung.
Wenn zu wenig Speichel produziert wird und der Mund dadurch zu trocken ist, bezeichnet man das als Xerostomie. Heute weiss man, dass eine zu geringe Speichel-Produktion ein entscheidender Faktor für die Entstehung von Mundgeruch sein kann.
Wissenswertes zum menschlichen Speichel
Der menschliche Speichel enthält ca. 99,5% Wasser und 0.5% gelöste Bestandteile wie Schleimstoffe, Proteine und Enzyme. Speichel befeuchtet und schützt die Schleimhäute und ist als Gleitmittel unerlässlich zum Schlucken fester Nahrung. Wichtig ist ebenfalls die Schutzfunktion gegen Karies. Pro Tag produziert ein Mensch etwa 0,5 - 1,5 Liter Speichel.
Ursachen der Xerostomie können sein:
- Einnahme bestimmter den Speichelfluss reduzierender Medikamente, wie z.B.:
- krampflösende Mittel
- Medikamente gegen Depressionen
- Beruhigungsmittel und Schlafmittel
- Antihistaminika bei Allergien
- blutdrucksenkende Medikamente
- harntreibende Arzneien
- Appetitzügler
- Erkrankungen der Speicheldrüsen
- Zustand nach Bestrahlung im Kopfbereich (Schädigung der Speicheldrüsen)
Weitere mögliche Ursachen für Mundgeruch
Wie oben ausgeführt, liegt die Quelle des Mundgeruchs zu über 90% in der Mundhöhle. Daher sollte bei der Untersuchung von Halitose-Patienten zunächst eine orale (im Mundbereich gelegene) Ursache gesucht bzw. ausgeschlossen werden.
In den - relativ seltenen - Fällen, in denen die Halitosis nicht von der Mundhöhle ausgeht, liegt die Ursache (in absteigender Häufigkeit) in folgenden Erkrankungen:
- Chronische Entzündungen der Kieferhöhle oder anderer Nasennebenhöhlen (Sinusitis)
- Chronische Tonsillitis (Entzündung der Gaumenmandeln)
- Chronische Rhinitis (Schleimhautentzündungen der Nase), Nasenpolypen
- Ausstülpungen der Speiseröhre (Divertikel) oder Störung des Schliessmuskels zwischen Magen und Speiseröhre
- In sehr seltenen Fällen können auch bösartige Tumoren des Mund-, Nasen- Rachenraumes oder der Atemwege für Mundgeruch verantwortlich sein
Kapitelübersicht: Mundgeruch
- Mundgeruch Übersicht
- Welche Ursachen hat Mundgeruch?
- Wie kann man Mundgeruch feststellen (Diagnose)?
- Wie kann man Mundgeruch behandeln (Therapie)?
- Kosten einer Halitosis-Behandlung
- Fragen und Antworten zu Mundgeruch
Den gesamten bebilderten Text zum Thema Mundgeruchherunterladen:
Mundgeruch: Ein atemberaubendes Thema (pdf 2 MB, eventuell längere Ladezeit)